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Cruz, Border Collie, 5 Jahre, Rüde, kastriert. Cruz, Border
Collie-Rüde, knapp 5 Jahre, sucht kompetentes und erfahrenes Zuhause.
Cruz stammt ursprünglich aus Spanien und ist ein (fast) 5-jähriger
Border Collie Rüde. Bevor er im Jahr 2008 in sein heutiges Zuhause (mit
bereits mehrjähriger BC-Erfahrung) vermittelt wurde, lebte er bei einem
Schäfer in Spanien und wurde in einem Tierheim abgegeben mit dem
Hinweis, dass er "zum Hüten nichts tauge".
Nach seiner Vermittlung nach Deutschland zeigte sich Cruz von Anfang
an in seinem neuen Zuhause gegenüber bestimmten Geräuschen sehr
auffällig. In einigen Verhaltensweisen erkannte die Halterin selbst
seine Unsicherheit, da er diese deutlichst anzeigte. So flüchtete er auf
den Spaziergängen beim Knallen eines Auspuffs und ähnlichen Geräuschen
panikartig nach Hause (wenn er nicht angeleint war) oder zog an der
Leine non-stop und hochgestresst in Richtung Heimat. Gleiches geschah,
wenn sich Cruz fremde, unangeleinte Hunde sehr stürmisch näherten.
Bereits beim Verlassen des Hauses zeigte Cruz deutliche Anzeichen seiner
Unsicherheit, sobald sich der Auftakt zum Spaziergang abzeichnete:
Mitunter weigerte er sich, sich anleinen zu lassen und verkroch sich
unter dem Küchentisch. War er angeleint, führte sein Weg gestresst in
Richtung Auto (seine Zuflucht) - dort kommt er (auch heute noch)
zunächst zur Ruhe (während der Fahrt jedoch ist er hier ebenfalls sehr
gestresst) und auch hier weigert er sich gelegentlich, wieder
auszusteigen und seinen "Zufluchtsort" zu verlassen.
Andere Verhaltensweisen zeigten sich im Alltag der Halterin zunächst
etwas versteckt, weshalb sie missverstanden wurden. Nach den Angaben der
Halterin ereigneten sich mehrere (vier) Beißvorfälle, von denen
mindestens zwei auf seine Unsicherheit zurückzuführen sind (Cruz wollte
nach einem Spaziergang den Kofferraum des Autos nicht mehr verlassen,
drohte deutlich und anhaltend, als die Halterin mit Nachdruck ein
Verlassen des Autos einforderte, schnappte/biss er zu, als man diese
Signale ignorierte). Ein weiterer Beißvorfall geschah in Verbindung mit
Futter (Ressourcen-Verteidigung) - Cruz ist ein hastiger
"Futterschlinger" und verteidigt sein Futter, wenn man versucht, sich zu
nähern. Der 4. Beißvorfall konnte anhand der Angaben der Halterin nicht
mehr zuverlässig "rekonstruiert" werden.
In Alltagssituationen wurde Cruz als mitunter hochaggressiv und
unkontrollierbar geschildert. Hierzu zählen seine lautstarken "Attacken"
auf Fahrräder, Mopeds, Motorräder, Traktoren, Kinder (nicht immer, aber
oft - je nach Distanz und/oder Geräuschkulisse). Im Haus setzt sich
dieses Verhaltensmuster fort mit dem Angriff auf Besucher (fremde wie
bekannte), Küchengeräte (Mixer, Staubsauger) und den Wasserschlauch im
Garten.
Im Rahmen einer Verhaltenseinschätzung habe ich Cruz am 19. Juli 2010
mehrere Stunden in verschiedenen Situationen persönlich kennen gelernt.
Im Straßenverkehr zeigte er neben seiner Besitzerin wenige der o.g.
Verhaltensweisen; wenn er sie zeigte, dann aber eindeutig - jedoch lag
JEDER dieser Situationen deutlich seine Unsicherheit zugrunde. War es
aufgrund der Distanz noch möglich, sich räumlich zu entziehen, war dies
stets sein erster Lösungsansatz. Erst wenn die für ihn nötige
Individualdistanz unterschritten wurde, agierte Cruz sehr deutlich und
sehr beherzt nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung".
Die gleiche "Strategie" war auch im Haus ersichtlich bei der
Konfrontation mit den o.g. Hausgeräten. Cruz reagierte bereits auf den
Griff in den Küchenschrank (zum Herausholen des Mixers) wie auch auf das
Hereintragen des Staubsaugers deutlich und war extrem angespannt. Jedoch
war er innerhalb kurzer Zeit mit einem entsprechenden
Management/(m)einer deutlichen Körpersprache abwartend und ruhig und
nahm bereitwillig Futter als Belohnung für dieses "richtige" Verhalten
an.
Auf welcher "Motivation" sein lt. Halterin aggressives Verhalten
gegenüber Besuchern im eigenen Zuhause basiert, konnte ich nicht
beurteilen, da der Einschätzungstermin bei mir und damit außerhalb
seines Zuhauses stattfand. Jedoch wäre die Vermutung nicht abwegig, dass
seine Unsicherheit hier ebenfalls eine grundsätzliche Rolle spielen
könnte. Möglich wäre aber - grundsätzlich - auch ein Kontrollverhalten
(territorial motiviert).
Nach meiner Einschätzung ist Cruz mit vielen Alltagssituationen und
Geräuschen heillos überfordert und musste diese aber bisher völlig auf
sich gestellt regeln; seine "Lösungsstrategien" waren bisher aus seiner
Sicht sehr erfolgreich; weshalb er sie stetig abruft und anwendet, je
nach Notwendigkeit. Eine für den Hund verständliche Hilfestellung durch
den Menschen erfolgte in der Vergangenheit nicht, obwohl die Halterin
keine Mühe scheute und mehrere Hundetrainer zu Rate zog (die jedoch nur
an den Symptomen arbeiteten). Leider fehlt es der Halterin zu diesem
Zeitpunkt an der notwendigen Zeit und der damit einhergehenden
Konsequenz, Cruz´ Unsicherheit "an den Wurzeln" (sprich:
ursachengestützt) zu packen und sich selbst als Halter notwendigerweise
in den Vordergrund zu stellen, bis Cruz lernen kann, sich eigenständig
an seiner Bezugsperson zu orientieren.
Das neue Zuhause
Da Cruz in vielerlei Hinsicht kein (nur) für seine Rasse
typisches Problemverhalten zeigt, sondern eher in die Kategorie
"unsicherer, überforderter Hund" fällt, muss das neue Zuhause in
letztere Hinsicht unbedingt "praxis-erprobt" sein. Dazu zählen in erster
Linie Halter, die einem Hund wie Cruz von Anfang an die nötige
Sicherheit vermitteln wollen und können und die eigene Verantwortung
nicht unter den Tisch des solidarischen "Mitleidens und geduldigen
Abwartens" kehren oder diese auf den "souveränen Ersthund" delegieren.
Letztendlich ist es IMMER der Hundehalter, der in erster und letzter
Instanz für die Sicherheit von Hund & Umfeld zuständig ist - niemand
sonst! Ein souveräner Ersthund ist klasse, aber nicht, um sich der
eigenen Verantwortung und "Arbeit" zu entziehen...
Die neuen Halter können - falls gewünscht - bei Übernahme von Cruz
gerne im Hinblick auf das ursachengestützte Training mit einem
unsicheren Hund durch unsere Hunde-Halterschule (www.hundehilfe-krefeld.de)
begleitet werden.
Auch die unproblematischen Seiten von Cruz sollten nicht unerwähnt
bleiben. So ist er lt. Halterin kein "Balljunkie" und zeigt
grundsätzlich wenig bis überhaupt kein Interesse an Spielzeug jeglicher
Art. Er "hütet" keine Objekte des Straßenverkehrs (dafür zeigt er jedoch
im Augenblick deutliche Ansätze, dies gegenüber dem Reitpferd der
Halterin zu tun - auch hier fehlte bisher das "Management" durch den
Halter). Cruz zeigt gegenüber Menschen und Hunden außerhalb des Hauses
grundsätzlich ein neutrales Verhalten, sofern der Erstkontakt ruhig und
angemessen stattfindet.
(Text: M. Wald)
Cruz befindet sich seit dem 31.08.2010 in einer Pflegestelle in
31134 Hildesheim.
Im Haus ist Cruz dort inzwischen sehr entspannt. Bei Besuch bleibt er
auf seinem Platz bis er frei gegeben wird, dann darf er gegebenenfalls
dazu kommen. Cruz verhält sich dann niemals aggressiv, meist entspannt
er sich sehr schnell und kontrolliert den Besuch nicht.
Während des Saugens bleibt Cruz bis auf einen Abstand von ca. 2 m
inzwischen stressfrei und startet keine Übergriffe auf den Sauger,
sondern wartet auf einem ihm zugewiesenen Platz, sofern er regelmäßig
für sein erwünschtes Verhalten bestätigt wird. Selbiges gilt für alle
anderen Haushaltsgeräte.
Im Tausch dürfen Kauartikel inzwischen auch abgenommen werden.
Selbiges gilt für den Futternapf oder anderweitige „Beute“. Er hat
verstanden, dass man mit ihm keinen Kampf um das Futter eingehen,
sondern ihm sogar etwas Tolles dazulegen will, sodass man sich
inzwischen nähern kann, ohne dass er droht.. Durch diese Übungen baut er
langsam Vertrauen auf und lernt, dass es nicht nötig ist, sich Stress zu
machen oder aggressiv zu werden.
Generell sucht Cruz nun oft auch freiwillig seinen Platz auf und
liegt häufig dort - man merkt ihn praktisch im Hause kaum. Er ist ein
angenehmer, eher ruhiger Hausgenosse, der weder etwas kaputt macht, noch
vermehrt bellt, noch klaut oder anderen Unfug macht. Alleine bleiben ist
übrigens kein Problem für Cruz, auch das macht er über mehrere Stunden
sehr vorbildlich.
Draußen frisst Cruz allerdings weiterhin alles was ihm vor die Nase
kommt und ist man zu langsam und er hat es sich bereits vom Boden
aufgenommen, käme es zu einem unschönen Konflikt, würde man versuchen,
es ihm abzunehmen. Größere Sachen gibt er teils bereits im Tausch ab,
kleinere Sachen schlingt er hastig hinunter und würde diese auch
verteidigen.
Ansonsten ist Cruz inzwischen deutlich unkomplizierter. Raus gehen
ist kein Problem mehr, egal ob er aus dem Auto steigt oder er aus dem
Haus geht, selbst bei Dunkelheit geht er ohne zu zögern mit. Zwar neigt
er stark zum Stress (diese Neigung lässt sich auch nicht
„wegtrainieren“), ist aber sehr gut zu lenken und nimmt stets Hilfen an.
Cruz zeigt bei einem ausreichenden Management seitens des Halters keine
übermäßige Aggression auf sämtliche Umwelteinflüsse! Natürlich kann man
Cruz nicht völlig selbstverständlich überall hin mitnehmen, aber auch an
einer befahrenen Straße entlang klappt das stressfreie Gehen bereits für
immer längere Strecken, genauso wie ein Besuch in einem Restaurant. Cruz
lag nach weniger als 5 Minuten die ganze Stunde komplett entspannt da -
auch penetrant betteln tut er nicht. Lässt man Cruz jedoch aus den Augen
und überlässt ihn sich selbst, übernimmt er sofort wieder das Ruder und
gerät in massiven Stress. Das gibt es im Umgang mit Cruz immer zu
bedenken, so lange er sich noch nicht selbstständig an seinem Halter
orientieren kann.
Cruz ist sehr aufmerksam und hat Freude an unterschiedlichsten
Übungen, wo er inzwischen immer länger konzentrationsfähig ist. Am
Meisten geht er im Apportiertraining auf - er apportiert sehr gern und
läuft ausgelassen dem Apportel hinterher, wonach er es inzwischen auch
zügig zu seinem Halter bringt und ohne "Diskussion" die Beute ausgibt -
schließlich erhält er dafür eine tolle Belohnung! Am Halsband geht er
inzwischen relativ große Strecken (ohne oder unter leichter Ablenkung
versteht sich) sehr aufmerksam und freudig neben seinem Hundeführer. Am
Geschirr darf er auch vor laufen, zieht aber auch hier nicht mehr
sondern sieht sich regelmäßig nach seinem Halter um. Auf einen Rückruf
reagiert er an der Schleppleine sofort und kommt zügig in freudiger
Erwartung ran, auch unter Ablenkung wie Joggern, Radfahrern, Reitern
usw..
Andere Hunde findet er nett und hat bereits an einem großen
Hundetreffen teilgenommen, wo er ein vorbildliches und
konfliktvermeidendes Sozialverhalten zeigte. Natürlich unter der
Bedingung, dass kein Futter im Spiel ist. Ist er etwas unsicher, sucht
er von sich aus Hilfe bei seinem Menschen, Tendenzen, wegzulaufen oder
zurück zum Auto zu ziehen, zeigt er gar nicht mehr. Selbstverständlich
ist immer für angemessene, geregelte Hundekontakte zu sorgen.
Weiß er allerdings, dass es zum Auto geht, ist er weiterhin stark
gestresst. Er ist ansprechbar sowie abrufbar an der Schleppleine, aber
sichtlich nervös, erst recht, sobald er das Auto sieht. Während der
Autofahrt liegt er, kommt allerdings nicht zur Ruhe sondern hechelt und
macht einen „Giraffenhals“, um zu sehen, was sich da draußen tut, was er
sehr hektisch beobachtet und ggf. in die Luft abschnappt. Ist er
aufgrund diverser Reize sehr gestresst, kommt es auch vor, dass er bei
schnellen Bewegungen in Richtung Mensch schnappt. Er ist beim Autofahren
inzwischen ansprechbar sowie mit kleineren Futtersuchspielen auf der
Fußmatte des Autos gut für einige Zeit abzulenken, wobei er sich dann
auch auf das Suchen konzentriert. Sobald man ihn nicht mehr ablenkt,
macht er wieder einen sehr hektischen und gestressten Eindruck. Das
Autofahren sollte von den zukünftigen Haltern nach Möglichkeit komplett
neu aufgebaut werden. Denn dies ist eine „Baustelle“, die aufgrund
mangelnder Möglichkeiten (Auto steht bei der Pflegestelle selten zur
Verfügung) dort nicht in Angriff genommen wird.
Alles in allem ist Cruz zwar ein Hund, der sehr zum Stress neigt,
sowie ein ganz klares Management seitens des Hundeführers braucht um
sich an diesem orientieren zu können, allerdings andererseits sehr
führig ist und so auf alle Fälle "alltagstauglich" in einem ruhigen,
erfahrenen Haushalt, in dem man sich klar darüber ist, dass der Hund
nicht völlig selbstverständlich alles „mitmacht“ und schon gar nicht die
Situationen selbstständig meistert. Sich an seinem Halter selbstständig
zu orientieren ist, was Cruz bisher nicht lernen konnte.
Die neuen Halter sollten sich unbedingt bewusst sein, dass Cruz
wieder in alte Muster verfällt, wenn ihm die entsprechende Sicherheit
durch den Hundehalter nicht mehr gegeben ist!
Cruz ist kastriert, geimpft und gechipt, die Ergebnisse des
Mittelmeerchecks können eingesehen werden.
Er wird nach Vorkontrolle mit Schutzvertrag und einer Schutzgebühr in
Höhe von 299,60 Euro vermittelt.
Kontakt:
Herztier e.V.
Anja Schrader
Tel.: 0203/71366110
E-Mail:
jule@herztier.com
oder
Samira Denker
Tel.: 0172 / 9708537
E-Mail:
samira.denker@googlemail.com
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