Vermittlungshunde - Tierheime / Privat - Cruz


(In der Vermittlung seit: 27.11.10) - Fotos: E. Vogelsang und J. Ide | Beschreibung: Samira Denker VERMITTELT!
 

Cruz, Border Collie, 5 Jahre, Rüde, kastriert.

Cruz, Border Collie-Rüde, knapp 5 Jahre, sucht kompetentes und erfahrenes Zuhause.

Cruz stammt ursprünglich aus Spanien und ist ein (fast) 5-jähriger Border Collie Rüde. Bevor er im Jahr 2008 in sein heutiges Zuhause (mit bereits mehrjähriger BC-Erfahrung) vermittelt wurde, lebte er bei einem Schäfer in Spanien und wurde in einem Tierheim abgegeben mit dem Hinweis, dass er "zum Hüten nichts tauge".

Nach seiner Vermittlung nach Deutschland zeigte sich Cruz von Anfang an in seinem neuen Zuhause gegenüber bestimmten Geräuschen sehr auffällig. In einigen Verhaltensweisen erkannte die Halterin selbst seine Unsicherheit, da er diese deutlichst anzeigte. So flüchtete er auf den Spaziergängen beim Knallen eines Auspuffs und ähnlichen Geräuschen panikartig nach Hause (wenn er nicht angeleint war) oder zog an der Leine non-stop und hochgestresst in Richtung Heimat. Gleiches geschah, wenn sich Cruz fremde, unangeleinte Hunde sehr stürmisch näherten. Bereits beim Verlassen des Hauses zeigte Cruz deutliche Anzeichen seiner Unsicherheit, sobald sich der Auftakt zum Spaziergang abzeichnete: Mitunter weigerte er sich, sich anleinen zu lassen und verkroch sich unter dem Küchentisch. War er angeleint, führte sein Weg gestresst in Richtung Auto (seine Zuflucht) - dort kommt er (auch heute noch) zunächst zur Ruhe (während der Fahrt jedoch ist er hier ebenfalls sehr gestresst) und auch hier weigert er sich gelegentlich, wieder auszusteigen und seinen "Zufluchtsort" zu verlassen.

Andere Verhaltensweisen zeigten sich im Alltag der Halterin zunächst etwas versteckt, weshalb sie missverstanden wurden. Nach den Angaben der Halterin ereigneten sich mehrere (vier) Beißvorfälle, von denen mindestens zwei auf seine Unsicherheit zurückzuführen sind (Cruz wollte nach einem Spaziergang den Kofferraum des Autos nicht mehr verlassen, drohte deutlich und anhaltend, als die Halterin mit Nachdruck ein Verlassen des Autos einforderte, schnappte/biss er zu, als man diese Signale ignorierte). Ein weiterer Beißvorfall geschah in Verbindung mit Futter (Ressourcen-Verteidigung) - Cruz ist ein hastiger "Futterschlinger" und verteidigt sein Futter, wenn man versucht, sich zu nähern. Der 4. Beißvorfall konnte anhand der Angaben der Halterin nicht mehr zuverlässig "rekonstruiert" werden.

In Alltagssituationen wurde Cruz als mitunter hochaggressiv und unkontrollierbar geschildert. Hierzu zählen seine lautstarken "Attacken" auf Fahrräder, Mopeds, Motorräder, Traktoren, Kinder (nicht immer, aber oft - je nach Distanz und/oder Geräuschkulisse). Im Haus setzt sich dieses Verhaltensmuster fort mit dem Angriff auf Besucher (fremde wie bekannte), Küchengeräte (Mixer, Staubsauger) und den Wasserschlauch im Garten.

Im Rahmen einer Verhaltenseinschätzung habe ich Cruz am 19. Juli 2010 mehrere Stunden in verschiedenen Situationen persönlich kennen gelernt. Im Straßenverkehr zeigte er neben seiner Besitzerin wenige der o.g. Verhaltensweisen; wenn er sie zeigte, dann aber eindeutig - jedoch lag JEDER dieser Situationen deutlich seine Unsicherheit zugrunde. War es aufgrund der Distanz noch möglich, sich räumlich zu entziehen, war dies stets sein erster Lösungsansatz. Erst wenn die für ihn nötige Individualdistanz unterschritten wurde, agierte Cruz sehr deutlich und sehr beherzt nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung".

Die gleiche "Strategie" war auch im Haus ersichtlich bei der Konfrontation mit den o.g. Hausgeräten. Cruz reagierte bereits auf den Griff in den Küchenschrank (zum Herausholen des Mixers) wie auch auf das Hereintragen des Staubsaugers deutlich und war extrem angespannt. Jedoch war er innerhalb kurzer Zeit mit einem entsprechenden Management/(m)einer deutlichen Körpersprache abwartend und ruhig und nahm bereitwillig Futter als Belohnung für dieses "richtige" Verhalten an.

Auf welcher "Motivation" sein lt. Halterin aggressives Verhalten gegenüber Besuchern im eigenen Zuhause basiert, konnte ich nicht beurteilen, da der Einschätzungstermin bei mir und damit außerhalb seines Zuhauses stattfand. Jedoch wäre die Vermutung nicht abwegig, dass seine Unsicherheit hier ebenfalls eine grundsätzliche Rolle spielen könnte. Möglich wäre aber - grundsätzlich - auch ein Kontrollverhalten (territorial motiviert).

Nach meiner Einschätzung ist Cruz mit vielen Alltagssituationen und Geräuschen heillos überfordert und musste diese aber bisher völlig auf sich gestellt regeln; seine "Lösungsstrategien" waren bisher aus seiner Sicht sehr erfolgreich; weshalb er sie stetig abruft und anwendet, je nach Notwendigkeit. Eine für den Hund verständliche Hilfestellung durch den Menschen erfolgte in der Vergangenheit nicht, obwohl die Halterin keine Mühe scheute und mehrere Hundetrainer zu Rate zog (die jedoch nur an den Symptomen arbeiteten). Leider fehlt es der Halterin zu diesem Zeitpunkt an der notwendigen Zeit und der damit einhergehenden Konsequenz, Cruz´ Unsicherheit "an den Wurzeln" (sprich: ursachengestützt) zu packen und sich selbst als Halter notwendigerweise in den Vordergrund zu stellen, bis Cruz lernen kann, sich eigenständig an seiner Bezugsperson zu orientieren.

Das neue Zuhause
Da Cruz in vielerlei Hinsicht kein (nur) für seine Rasse typisches Problemverhalten zeigt, sondern eher in die Kategorie "unsicherer, überforderter Hund" fällt, muss das neue Zuhause in letztere Hinsicht unbedingt "praxis-erprobt" sein. Dazu zählen in erster Linie Halter, die einem Hund wie Cruz von Anfang an die nötige Sicherheit vermitteln wollen und können und die eigene Verantwortung nicht unter den Tisch des solidarischen "Mitleidens und geduldigen Abwartens" kehren oder diese auf den "souveränen Ersthund" delegieren. Letztendlich ist es IMMER der Hundehalter, der in erster und letzter Instanz für die Sicherheit von Hund & Umfeld zuständig ist - niemand sonst! Ein souveräner Ersthund ist klasse, aber nicht, um sich der eigenen Verantwortung und "Arbeit" zu entziehen...

Die neuen Halter können - falls gewünscht - bei Übernahme von Cruz gerne im Hinblick auf das ursachengestützte Training mit einem unsicheren Hund durch unsere Hunde-Halterschule (www.hundehilfe-krefeld.de) begleitet werden.

Auch die unproblematischen Seiten von Cruz sollten nicht unerwähnt bleiben. So ist er lt. Halterin kein "Balljunkie" und zeigt grundsätzlich wenig bis überhaupt kein Interesse an Spielzeug jeglicher Art. Er "hütet" keine Objekte des Straßenverkehrs (dafür zeigt er jedoch im Augenblick deutliche Ansätze, dies gegenüber dem Reitpferd der Halterin zu tun - auch hier fehlte bisher das "Management" durch den Halter). Cruz zeigt gegenüber Menschen und Hunden außerhalb des Hauses grundsätzlich ein neutrales Verhalten, sofern der Erstkontakt ruhig und angemessen stattfindet.
(Text: M. Wald)

Cruz befindet sich seit dem 31.08.2010 in einer Pflegestelle in 31134 Hildesheim.
Im Haus ist Cruz dort inzwischen sehr entspannt. Bei Besuch bleibt er auf seinem Platz bis er frei gegeben wird, dann darf er gegebenenfalls dazu kommen. Cruz verhält sich dann niemals aggressiv, meist entspannt er sich sehr schnell und kontrolliert den Besuch nicht.

Während des Saugens bleibt Cruz bis auf einen Abstand von ca. 2 m inzwischen stressfrei und startet keine Übergriffe auf den Sauger, sondern wartet auf einem ihm zugewiesenen Platz, sofern er regelmäßig für sein erwünschtes Verhalten bestätigt wird. Selbiges gilt für alle anderen Haushaltsgeräte.

Im Tausch dürfen Kauartikel inzwischen auch abgenommen werden. Selbiges gilt für den Futternapf oder anderweitige „Beute“. Er hat verstanden, dass man mit ihm keinen Kampf um das Futter eingehen, sondern ihm sogar etwas Tolles dazulegen will, sodass man sich inzwischen nähern kann, ohne dass er droht.. Durch diese Übungen baut er langsam Vertrauen auf und lernt, dass es nicht nötig ist, sich Stress zu machen oder aggressiv zu werden.

Generell sucht Cruz nun oft auch freiwillig seinen Platz auf und liegt häufig dort - man merkt ihn praktisch im Hause kaum. Er ist ein angenehmer, eher ruhiger Hausgenosse, der weder etwas kaputt macht, noch vermehrt bellt, noch klaut oder anderen Unfug macht. Alleine bleiben ist übrigens kein Problem für Cruz, auch das macht er über mehrere Stunden sehr vorbildlich.

Draußen frisst Cruz allerdings weiterhin alles was ihm vor die Nase kommt und ist man zu langsam und er hat es sich bereits vom Boden aufgenommen, käme es zu einem unschönen Konflikt, würde man versuchen, es ihm abzunehmen. Größere Sachen gibt er teils bereits im Tausch ab, kleinere Sachen schlingt er hastig hinunter und würde diese auch verteidigen.

Ansonsten ist Cruz inzwischen deutlich unkomplizierter. Raus gehen ist kein Problem mehr, egal ob er aus dem Auto steigt oder er aus dem Haus geht, selbst bei Dunkelheit geht er ohne zu zögern mit. Zwar neigt er stark zum Stress (diese Neigung lässt sich auch nicht „wegtrainieren“), ist aber sehr gut zu lenken und nimmt stets Hilfen an. Cruz zeigt bei einem ausreichenden Management seitens des Halters keine übermäßige Aggression auf sämtliche Umwelteinflüsse! Natürlich kann man Cruz nicht völlig selbstverständlich überall hin mitnehmen, aber auch an einer befahrenen Straße entlang klappt das stressfreie Gehen bereits für immer längere Strecken, genauso wie ein Besuch in einem Restaurant. Cruz lag nach weniger als 5 Minuten die ganze Stunde komplett entspannt da - auch penetrant betteln tut er nicht. Lässt man Cruz jedoch aus den Augen und überlässt ihn sich selbst, übernimmt er sofort wieder das Ruder und gerät in massiven Stress. Das gibt es im Umgang mit Cruz immer zu bedenken, so lange er sich noch nicht selbstständig an seinem Halter orientieren kann.

Cruz ist sehr aufmerksam und hat Freude an unterschiedlichsten Übungen, wo er inzwischen immer länger konzentrationsfähig ist. Am Meisten geht er im Apportiertraining auf - er apportiert sehr gern und läuft ausgelassen dem Apportel hinterher, wonach er es inzwischen auch zügig zu seinem Halter bringt und ohne "Diskussion" die Beute ausgibt - schließlich erhält er dafür eine tolle Belohnung! Am Halsband geht er inzwischen relativ große Strecken (ohne oder unter leichter Ablenkung versteht sich) sehr aufmerksam und freudig neben seinem Hundeführer. Am Geschirr darf er auch vor laufen, zieht aber auch hier nicht mehr sondern sieht sich regelmäßig nach seinem Halter um. Auf einen Rückruf reagiert er an der Schleppleine sofort und kommt zügig in freudiger Erwartung ran, auch unter Ablenkung wie Joggern, Radfahrern, Reitern usw..

Andere Hunde findet er nett und hat bereits an einem großen Hundetreffen teilgenommen, wo er ein vorbildliches und konfliktvermeidendes Sozialverhalten zeigte. Natürlich unter der Bedingung, dass kein Futter im Spiel ist. Ist er etwas unsicher, sucht er von sich aus Hilfe bei seinem Menschen, Tendenzen, wegzulaufen oder zurück zum Auto zu ziehen, zeigt er gar nicht mehr. Selbstverständlich ist immer für angemessene, geregelte Hundekontakte zu sorgen.

Weiß er allerdings, dass es zum Auto geht, ist er weiterhin stark gestresst. Er ist ansprechbar sowie abrufbar an der Schleppleine, aber sichtlich nervös, erst recht, sobald er das Auto sieht. Während der Autofahrt liegt er, kommt allerdings nicht zur Ruhe sondern hechelt und macht einen „Giraffenhals“, um zu sehen, was sich da draußen tut, was er sehr hektisch beobachtet und ggf. in die Luft abschnappt. Ist er aufgrund diverser Reize sehr gestresst, kommt es auch vor, dass er bei schnellen Bewegungen in Richtung Mensch schnappt. Er ist beim Autofahren inzwischen ansprechbar sowie mit kleineren Futtersuchspielen auf der Fußmatte des Autos gut für einige Zeit abzulenken, wobei er sich dann auch auf das Suchen konzentriert. Sobald man ihn nicht mehr ablenkt, macht er wieder einen sehr hektischen und gestressten Eindruck. Das Autofahren sollte von den zukünftigen Haltern nach Möglichkeit komplett neu aufgebaut werden. Denn dies ist eine „Baustelle“, die aufgrund mangelnder Möglichkeiten (Auto steht bei der Pflegestelle selten zur Verfügung) dort nicht in Angriff genommen wird.

Alles in allem ist Cruz zwar ein Hund, der sehr zum Stress neigt, sowie ein ganz klares Management seitens des Hundeführers braucht um sich an diesem orientieren zu können, allerdings andererseits sehr führig ist und so auf alle Fälle "alltagstauglich" in einem ruhigen, erfahrenen Haushalt, in dem man sich klar darüber ist, dass der Hund nicht völlig selbstverständlich alles „mitmacht“ und schon gar nicht die Situationen selbstständig meistert. Sich an seinem Halter selbstständig zu orientieren ist, was Cruz bisher nicht lernen konnte.

Die neuen Halter sollten sich unbedingt bewusst sein, dass Cruz wieder in alte Muster verfällt, wenn ihm die entsprechende Sicherheit durch den Hundehalter nicht mehr gegeben ist!

Cruz ist kastriert, geimpft und gechipt, die Ergebnisse des Mittelmeerchecks können eingesehen werden.
Er wird nach Vorkontrolle mit Schutzvertrag und einer Schutzgebühr in Höhe von 299,60 Euro vermittelt.

Kontakt:

Herztier e.V.

Anja Schrader

Tel.: 0203/71366110

E-Mail: jule@herztier.com

oder

Samira Denker

Tel.: 0172 / 9708537

E-Mail: samira.denker@googlemail.com
 

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